Schlechte Noten schreiben ist nicht akzeptabel – Was soll sonst aus einem werden! Abitur in 12 Jahren und ohne Pause studieren in Regelstudienzeit – sonst wird das BAföG gestrichen. In der Ausbildung verlangt der Meister einfach immer mehr und die Berichte müssen nebenher auch noch geschrieben werden. Dazu endlose To-Do-Listen auf dem Smartphone, die niemals kürzer wird. Kommt dir das bekannt vor?

Hast du manchmal das Gefühl, dass alles gleichzeitig auf dich zukommt und du keine Ruhe mehr findest? Es wird endlos viel verlangt und du möchtest von Allem nichts mehr wissen, einfach nur noch weglaufen?

Es könnte sein, dass die Erwartungen, die auf dir lasten, schlicht zu viel sind, du also unter zu großem Leistungsdruck stehst.

Was ist Leistungsdruck und woher kommt er?

Der Preis des Wohlstands

Fragst du dich auch, ob du die Uni, die Ausbildung oder die Schule abbrechen sollst? Dann kann es gut sein, dass zu viel Leistungsdruck auf dir lastet. Auch unabhängig davon, ob dir dein Fach oder der Beruf Spaß macht. Ist dein Druck schon so groß, dass du dich gar nicht mehr konzentrieren kannst? Denkst du: Ist das alles meine Schuld? Bin ich einfach zu blöd dafür? Es ist ganz normal, dass man sich in Frage stellt, wenn man das Gefühl hat, Erwartungen überhaupt nicht gerecht werden zu können.

In Deutschland geht es vielen Menschen auf finanzieller Ebene im internationalen Vergleich sehr gut. Trotz der Corona Pandemie ist die Arbeitslosigkeit relativ gering, der Wohlstand durchschnittlich gesehen sehr hoch und viele Dinge scheinen einfach gut zu laufen. Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Wohlstand haben aber auch ihren Preis. Die Leistungsanforderungen an jeden Einzelnen steigen an. Aber wer verursacht den Druck überhaupt?

Bildungspanik – Abitur und Studium um jeden Preis?

Es wäre einfacher die Frage zu beantworten, wo kein Leistungsdruck herrscht. Denn letztendlich besteht der Druck in allen gesellschaftlichen Kontexten und fängt schon in der Grundschule an. Wenn am Ende der Grundschule die Leistung nicht gut genug war, dann bekommt man eine Empfehlung z.B. für die Realschule anstatt für das Gymnasium. Derzeit machen ca. 50% der deutschen Schüler Abitur, viel mehr als noch vor 10 Jahren. Ausbildungen verlieren gesellschaftlich an Wert, da häufig nur eine akademische Bildung für den beruflichen Lebensweg als ausreichend eingeschätzt wird. Der Druck auf Eltern und Schüler*innen, einen maximalen Bildungsabschluss zu erzielen, ist hoch. Der Soziologe Heinz Bude spricht bei diesem Phänomen von Bildungspanik. „Rette sich wer kann vor niedrigen Bildungsabschlüssen!“ könnte man augenzwinkernd resümieren.

Dabei ist klar, dass Abi und Studium nicht für jeden Menschen der richtige Weg zum Glück bedeutet und auch nicht zwingend mit mehr finanziellem Erfolg verbunden ist. Das Handwerk ist beispielsweise sehr gefragt, die Auftragsbücher sind voll und es gibt zu wenig Fachkräfte. Was passiert? Das Angebot an Arbeitskraft sinkt, die Preise steigen und damit auch die Gewinne der Handwerker*innen. Im Endeffekt geht es darum, wie du dein Leben gestalten willst. Dir die Frage zu stellen: Was brauche und will ich wirklich vom Leben? Oder mache ich einfach das, was ich schon immer getan habe oder von mir erwartet wurde?

Leistungsdruck und innere Erwartungen

Manchmal kann Leistungsdruck auch mit inneren Erwartungen zu tun haben, die du noch nicht hinterfragt oder erkannt hat. Dies können verinnerlichte Erwartungen deiner Eltern sein oder auch biographisch erworbene Einstellungen. Bin ich nur gut, wenn ich etwas leiste? Dieses Denken hat eine langreichende Tradition in Deutschland mit religiösen und kulturellen Hintergründen, bspw. Preußische Leistungstugenden oder protestantisch geprägten Wertvorstellungen (Max Weber). Deutschland hat sich nach den Schrecken des Zweiten Weltkriegs auch über Leistung neuerfunden. Stichwort: Deutsches Wirtschaftswunder.  Eine profunde Bewältigungsleistung, psychoanalytisch gesprochen womöglich eine Verdrängung der Gräueltaten, die als kulturelles Erbe in den Köpfen der Deutschen schwer lasten. Das Leistungsvermögen erzeugt gesellschaftlichen Wohlstand, Fortschritt und politische Gestaltungsräume.

Aber was ist mit dem Blick auf den Einzelnen? Auf dich und dein persönliches Leben? Was zeichnet mich als Menschen eigentlich aus?  Nur mein Humankapital? Und wenn man dann gar nicht mehr kann, hat man keine Depression, sondern einen Burn-Out. Sich kaputt zu arbeiten und dann nicht mehr zu können, scheint gesellschaftlich akzeptierter zu sein, als ohne Überarbeitung keine Leistung in diesem engen Sinn zu zeigen. Der Dalai Lama wurde gefragt, was in am meisten auf der Welt wundert. Er antwortete:

Der Mensch, denn er opfert seine Gesundheit, um Geld zu machen. Dann opfert er sein Geld, um seine Gesundheit wieder zu erlangen. Und dann ist er so ängstlich wegen der Zukunft, dass er die Gegenwart nicht genießt; das Resultat ist, dass er nicht in der Gegenwart lebt; er lebt, als würde er nie sterben, und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt.“

Was ist dir wichtig?

Im Grunde genommen stellen sich mit dem Leistungsdruck sehr wesentliche Fragen: Wie möchte ich leben und wieviel Geld brauche ich? Wie wichtig ist mir die Anerkennung über den Beruf? Welchen Umgang mit Leistungen haben mir meine Eltern vermittelt?

Wir wollen niemanden aktiv auffordern, sich aus seiner Verantwortung für die Gesellschaft zu entziehen. Wer arbeiten gehen kann und Steuern zahlt, trägt aktiv dazu bei, dass Schulen, Krankenhäuser und andere wichtige gesellschaftliche Institutionen bezahlt werden können. Jede*r trägt Verantwortung in diesem System. Dennoch ist es uns wichtig, dass dies nicht um jeden Preis geschehen muss, nicht die beste Note geschrieben werden muss, alles andere im Leben nachgeordnet wird und man auf Dauer seine persönliche Gesundheit riskiert. Etliche Generationen in Deutschland sind vom Leistungsgedanke tief geprägt. Wir wollen dich ermutigen, dich mit deinen ganz persönlichen (Arbeits-)Glaubenssätzen und denen deiner Eltern auseinanderzusetzen. Am Ende diesen Weges kann eine selbstbestimmte und positive Einstellung entstehen, aus der heraus du stärker selbstbestimmst, welche Leistung du erbringen möchtest und auf dich selbst achten kannst.

Kann man Leistungsdruck definieren?

Unter Leistungsdruck versteht man laut Duden psychischen Druck, der durch inneren und äußeren Zwang zu hoher Leistung über einen längeren Zeitraum hinweg ausgelöst wird. Festzustellen ist also das der Druck sowohl durch innere Anteile entstehen kann als auch durch äußere Anforderungen durch Menschen oder Systeme, die Leistung von dir erwarten.

Leistungsdruck auch in der Freizeit

Man verbindet Leistungsdruck vielleicht zunächst eher mit Arbeit, Schule, Studium etc. Das Phänomen zu einer immer stärker leistungsorientierten Gesellschaft ist dabei auf keinen Fall nur auf die Arbeitswelt begrenzt. Unser gesamter Kunstbetrieb beispielsweise unterliegt der Macht von Märkten und wer sich besser vermarktet, bekommt auch die Anerkennung durch Geld und Presse. Noch deutlicher wird die Verbreitung von Leistungsanreizen im Sportbereich.
Doping ist ein Thema, dass sich mittlerweile durch alle populären Sportarten zieht und hat letztendlich das Ziel, Leistungen zu verbessern, um immer weitere Rekorde zu brechen. Interessant dabei ist, dass es beim Sport ja auch darum geht den Erwartungen der Zuschauer gerecht zu werden und welche diese als hohe Leistungen einschätzen. Die Zuschauer wollen schließlich keine Stagnation sehen, sondern höhere Leistungen, die Parallelen zur Wirtschaft sind überdeutlich.

 

Anzeichen für Leistungsdruck und wie du damit umgehen kannst

Individuelle Kosten der Leistungsgesellschaft

Natürlich ist es schön, wenn alle Menschen in verhältnismäßig guten Bedingungen leben, es genug Arbeit gibt und Firmen ihren Mitarbeiter nicht kündigen müssen, da diese genug Leistung bringen und die Firma deshalb erfolgreich ist. Wenn du zur Uni gehen kannst und das studierst, was du schon immer gerne machen wolltest, weil du dich in der Schule angestrengt hast, dann ist das schön für dich. Vielleicht erscheint es unter diesem Licht sogar so, dass unser System, welches nach immer mehr Leistung dürstet, gut funktioniert.

Doch was ist mit dem einzelnen Menschen, der Leistung erbringen muss?

Was zu viel Druck mit dir macht

Wer lange zu großem Leistungsdruck ausgesetzt ist, leidet oft unter Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, innerer Unruhe, kann sich weniger gut konzentrieren und zieht sich aus vielen Lebensbereichen zurück. Auch Aggressionen, Traurigkeit, Suchtmittelkonsum (auch Medien!), können die Folge sein.  Wenn du den Eindruck hast, unter Druck zu stehen, solltest du auf dein Überlastungssignale reagieren, anstatt sie zu ignorieren oder zu vermeiden. Das Ziel mit Leistungsdruck umzugehen ist die Erarbeitung einer persönlich passenden Balance, verbunden mit der Fähigkeit klare Grenzen bei Überforderung zu setzen. Üben lohnt sich, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Weitere Signale, die auf einen zu hohen Leistungsdruck deuten können

  • Niedriger Selbstwert: Du magst dich nur, wenn du von anderen Aufmerksamkeit bekommst und dir bestätigt wird, dass du gut bist
  • Deine Leistungen stehen im Vordergrund: Nichts ist dir wichtiger als Schule und sehr gute Noten. Du findest nur noch Zeit für Schule, Job, Uni oder Ausbildung.
  • Ständige Unzufriedenheit: Du hast immer den Drang, besser zu werden und bist auch mit einer Eins nicht zufrieden, wenn du einen Fehler entdeckst, den du hättest vermeiden können.
  • Appetitlosigkeit: Du bist so sehr auf die Schule fokussiert, dass du keinen Hunger mehr spürst
  • Überforderungserleben: Ich kann meine Aufgaben nicht mehr bewältigen. Es wird mir alles zuviel.

Wie gehst du mit den Anforderungen um?

Wenn man zu tief in einer Situation steckt fehlt manchmal die Kraft, klar zu sehen was guttut und welche kleinen Veränderungen bereits viel mehr Luft geben könnten. Die Ansätze, um dem eigenen Gefühl von Druck zu begegnen, sind dabei äußerst vielfältig.

Wir laden dich ein, deine Ansätze für weniger Druck gemeinsam weiterzuentwickeln. Schreib uns in der Mailberatung. Wir sind offen für deine Anliegen und versuchen mit Blick auf deine Stärken und neuen Perspektiven Mut und Zuversicht für deinen persönlichen Weg auszubauen. Hier gehts zur Registrierung.

Hier findest du noch ein inspirierendes Video von Max Raabe, wenn mal wieder alles zu viel wird:  „Der perfekte Moment“

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